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Erfahrungsbericht von Stephanie A. Hiller

Yoga-Auszeit Hals-Chakra im Haus Neuglück


Woke up this morning with the sun in my heart


Das Seminarhaus ist leicht gefunden, das Auto auf der ruhigen Straße gut am Wald geparkt. Als ich mit dem kleinen Gepäck und meiner Matte durch den Garten zum Eingang gehe, sehe ich diesen herrlichen großen alten Baum. Ein Anbau mit vielen Fenstern ist an ihn angepasst, fast um ihn herum gebaut. Ein schöner Ort, nicht nur Außen: Sabine empfängt mich herzlich in dem gemütlichen Eingangsbereich und zeigt mir mein Zimmer. Auf den Türen steht jeweils der Name der darin wohnenden Person. Das Zimmer ist angenehm schlicht,  sauber und gemütlich. Und auf dem kleinen Tischchen am Fenster liegt ein Willkommensgruss von den Veranstalterinnen. Herrlich! Wie witzig! Wie bedacht: In der kleinen durchsichtigen Geschenktüte sind verschiedene Hals-Frei-Bonbons ... Ich freue mich jetzt sehr auf das Wochenende in Auszeit mit Yoga, und der Beschäftigung mit meinem Hals-Chakra.

Der erste Tag

Als ich dann umgezogen in den sonnenhellen Seminarraum komme, liegen die meisten Matten schon und auch die meisten Frauen schon darauf. Sabine hat die Kreismitte mit unterschiedlich blauen Tüchern, Kerzen und einem Strauss Vergissmeinnicht geschmückt. Zu meinem Glück finde ich einen herrlichen Platz in dem Kreis gegenüber der vielen großen Fenster - und vor allem sehe ich den alten Baum! An seinen Ästen werde ich mich in den Übungen festhalten können und bei einer kleinen Chakra-Blockade suche ich die Unterstützung des Himmels mit seinem Himmelblau, wie Sabine im Programm schrieb, denke ich lachend.
Alle sitzen nun und Sabine begrüßt uns, umreißt das Programm der kommenden Tage und spricht über den Hals als Brücke und Verbindung zwischen den oberen und unteren Chakren. Sie erklärt, dass wir in den kommenden Tagen unter anderem mit Yogaübungen das Hals-Chakra, unser feines Nadelöhr, wie sie es nennt, stärken und den freien Energiefluss unterstützen. Zur Einstimmung reißt sie kurz die Themen des Hals-Chakras an:

*Kommunikation und Individualität
*Wie drücke ich mich aus?
*Was sagt mir meine innere Stimme?
*Was will ich aus meinem Inneren nach außen bringen?
*Wie kann ich meine Gefühle, Bedürfnisse, Gedanken, zum Ausdruck bringen?

Wir neun Teilnehmerinnen stellen uns dann nacheinander kurz vor und die erste Atemübung beginnt. Sabine atmet mit uns eine Technik, die Kopf und Herz miteinander verbinden soll. Für mich macht das Sinn, ja, die Kommunikation soll nicht alleine aus dem Kopf kommen, vom Verstand geleitet sein, das Herz soll fließen lassen können. Während ich sitze und atme, denke ich darüber nach, wie sich welche Worte von Herzen oder eben von Verstand gesprochen, anfühlen und auch gehört werden – aber schnell hole ich mich aus meinem Kopf und dem Nachdenken wieder raus, und konzentriere mich wieder auf meinen Atem.

Ja, und so vorbereitet gehen wir in die nächste Übung. Wir sitzen in kleinen Gruppen – wir sind zu dritt - und halten uns an den Händen. Jede soll erzählen, die anderen schweigen. Da sitze ich nun, mit den beiden wirklich freundlichen und netten, mir völlig unbekannten Frauen, und denke mir, zugegeben mit keinem allzu großen Augenzwinkern: Na, super, ich hatte Yoga gebucht ... eine knackige Kennenlernrunde und ein heftiger Einstieg in das Wochenende ist das ... Hals-Chakra eben, Thema Kommunikation – nach innen und außen. Eine fordernde Übung ist das – ich freue mich danach sehr über den Tee in der kurzen Pause und gehe gespannt auf meine Matte zurück, denn wir beginnen die Asanas zu üben, und starten mit Pranayama (Atemübungen).

Die meisten Frauen haben schon Kurse bei Sabine gemacht, aber eben auch einige, wie ich, noch nie. So setzt Sabine den Kreis ein wenig um, damit die Neuen auch ein wenig Unterstützung von den Erfahreneren haben. Ich denke zwar immer noch: Nur ich und meine Matte, aber bin auch sehr froh um meine Nachbarin, da ich am Anfang doch ein wenig orientierungslos in den Flows bin. Sabine schaut sehr aufmerksam nach mir und gibt mir immer wieder sehr wichtige Korrekturhinweise. Ich komme aus der Iyengar-Praxis und war anfänglich doch über das Tempo, das "gefühlt" schnelle Tempo, überrascht. Ich habe mich auch während des Wochenendes immer wieder dabei ertappt noch korrigieren zu wollen, obwohl wir schon in der Asana-Abfolge weiter waren. Inzwischen praktiziere ich die Flows in einem der wöchentlichen Kurse bei Sabine – und ich freue mich zwar noch immer auch über die statischen Asanas, aber ich merke wie mir die kontinuierliche Praxis, unter anderem sehr auch die Pratigna, überaus wohl bekommt und mir gut tut.
Die beiden Stunden Yoga im Siebengebirge jetzt vergehen wie im Flug – und ich gehe voll von neuen Bewegungsabläufen und zwischen euphorisch und angestrengt zum Mittagessen. Ich denke, wir sind alle sehr hungrig bei unserer ersten gemeinsamen Mahlzeit. Dhanyi, die Köchin bereitet alles Essen sehr lecker zu und richtet es so liebevoll an, es ist achtsam gekocht und serviert – und das wird bei allen Mahlzeiten so sein. Wenn ich mich jetzt an das Essen erinnere, denke ich zuerst an den grandiosen Hirsebrei zum Frühstück, der mich in den folgenden beiden Tagen warm-anfüllend für die Übungen gestärkt hat.

Nach diesem ersten plaudrig-schnatternden Mittagessen – ja, viel viel Reden war sehr wichtig an diesem Wochenende – ist eine kleine Mittagsruhe, nach der wir uns alle zu einem Spaziergang verabreden. Die Luft draußen ist kühl und frisch, erfrischend, gleich vom Haus weg kann man Hügelauf und Hügelab über Felder und durch Wald gehen. Sehr schön! Ich glaube, spätestens jetzt setzt auch bei mir die echte Auszeit ein, und mein Kölner Alltag schwindet immer mehr im Siebengebirge.

Nach dem Abendessen dann treffen wir uns alle wieder im Übungsraum zur Meditation. Nicht in Stille und sitzend. Wir stehen im Kreis und zu Musik (war es Techno?) erden wir uns durch Hüpfen und Stampfen in einer dynamischen Meditation. Der Raum ist ganz schwach nur beleuchtet und die Augen bedeckt. Für mich eine kleine Herausforderung – ich entscheide mich aber dagegen, über Kontrollverlust nachzudenken und gehe in die Meditation, was mir am Ende gut getan hat und ich meinen erdverbundenen Fußsohlen gedankt habe.
Und nach der Erdung dann die Rederei, in der wir nur Ja oder Nein mit- und zueinander sprechen, sehr spannend, weil es ja egal scheint, was gesagt wird, das „wie“ ist entscheidend. Laut war das alles, sehr laut.  Als wir dann zum Abschluss Mantren singen habe ich das Gefühl an einem fabelhaften Workshop teilzunehmen und bedauere insgeheim, dass ich bei den anderen Auszeiten zu den anderen Chakren nicht dabei war .

Der zweite Tag

Um 7 Uhr surrt mein Wecker, denn um 8 Uhr ist Morgenmeditation. Die Köchin hat schon Tee und Kaffee für uns bereitet, dringend von mir benötigt ... In der ersten Hälfte der Meditation leitet Sabine eine Pranayama-Übung und dann sitzen wir in Stille. Einer meiner Lieblingsstarts in den Tag! Beim Sitzen im Lotussitz spüre ich die Übungen des Vortags in den Muskeln und versuche gelassen auf die nächste Yoga-Übungsreihe zu blicken. Ich fühle mich in meiner Mitte und merke, dass alles viel angenehmer und vor allem kraftspendender ist, als ich erwarte. Mit dem Mantra vom Morgen " Woke up this morning with the sun in my heart" im Ohr und Kopf und Herz, üben wir am zweiten Tag weiter.
Irgendwann an diesem Morgen, nach einer Reihe von Sonnengrüssen wird mir ein wenig schwindelig und ich merke, dass ich zuviel über Kopf, nein, Kopfüber bin, und mir die Bewegungen zu schnell dazu. Ich nehme das Tempo raus und bringe wieder Wurzeln in die Beine, nehme konzentriert Kontakt zur Erde auf. Ja, denke ich, nichts neues: bei guter Verwurzelung kann es auch stürmen, dann geht alles. Auch in der Kommunikation.  Oder der Stille. Die Dehnungsübungen und entspannenden Asanas sind mir an diesem Morgen sehr willkommen.

An diesem zweiten Nachmittag ist wieder Spaziergang, ein Teil der Gruppe geht diesmal schweigend übers Feld. Andere ruhen sich aus und ich fahre an den nahen Rhein nach Königswinter und gehe am Wasser, auch schweigend. Zum leckeren Abendessen gibt es dann wieder viele heitere Gespräche zu Tisch, und wir alle sehen richtig entspannt aus, Auszeit.
Dann, am zweiten Abend, machen wir eine weitere dynamische Meditation, während der wir uns nur innerhalb unserer Matte bewegen oder nicht – ich bewege mich nicht – und jede unbekannte Sprache der Welt sprechen sollen: jibberisch. Mir ist der Lärm zu groß, und ich bin sehr leise. Ich spüre eine Hand auf meiner Schulter, Sabine kniet neben mir und fragt fast stimmlos, ob ich ok sei – nach einem Blick in die Runde sehe ich, dass ich die einzige bin, die sich nicht bewegt. Ich lächele sie an, halte beide Daumen nach oben und freue mich über ihren Weitblick und Überblick. Wie auch während des Yogas schaut Sabine aufmerksam  und kümmert sich – und gerade bei einer Übung wie dieser dynamischen ist es einfach schön zu spüren, dass sie weiß, was sie tut.
Die anschließende Tanzmeditation mit Tüchern entspannt und lockert mich wieder etwas – nur beim Mantren-Singen fallen mir fast die Augen zu und ich freue mich riesig auf das Bett. Sehr tief habe ich in dieser Nacht geschlafen.

Der dritte Tag

Mein erster Gedanke am Sonntagmorgen war: Ach, wie schade, würde doch der Workshop noch weiter gehen!
Der dritte und letzte Tag beginnt wieder nach einem Tee mit einer halben Stunde sitzen. Das Morgenlicht fällt wundervoll in den Übungsraum und nach dem Frühstück gehen wir noch einmal in die kleinen Gruppen und Sabine greift die Übung vom ersten Morgen in einer Variation und anderen Fragestellung wieder auf. Ich sitze lockerer und lasse mehr fließen – was ich aus dem Raum höre, klingt anders als am ersten Morgen und ich habe das Gefühl die Übungen der letzten Tage haben einiges bei uns allen freigesetzt.

Ich genieße die verschiedenen Yoga-Übungsreihen von den Sonnengrüssen über jeden Hund und die inzwischen geschmeidige Pratigna-Reihe der letzten zwei Stunden im Haus Neuglück und weiß, dass ich zu Hause ganz sicher mit Sonnengrüßen meine Tage beginnen werde. Und ich freue mich schon auf die nächsten Workshops zum Stirn-und Kronen-Chakra und weiß, wie immer kommt alles zu einer Zeit, die dafür passt. Am Ende der drei Tage fühle ich eine freie gestärkte Verbindung von oben nach unten und von unten nach oben – zwischen Himmel und Erde und freies Fliessen.



Stephanie A. Hiller, 44 Jahre, Journalistin, www.aufgezeichnet.com


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